Artikel vom 23./30. Dezember 2012



Den Menschen in der Welt begegnet
Mechtild Meckl mit Bundesverdienstkreuz geehrt

Als ein ständiges Wachsen bezeichnet Mechtild Meckl ihren Lebensweg. Heute ist sie Oberin der Congregatio Jesu in Augsburg. Begonnen hat ihr Ordensleben in Würzburg. Eine gewichtige Station, die für sie mit dem Bundesverdienstkreuz endete, war Rom. Als Generaloberin der Congregatio Jesu führte ihr Weg sie von dort aus in alle Welt.
Heute liest die 72-jährige Mechtild Meckl die Nachrichten und denkt sich oft: „Das kenne ich, dort war ich schon.“ Als Generaloberin hat sie fast die Hälfte ihrer Zeit mit Reisen verbracht, um die Niederlassungen der Maria-Ward- Schwestern, wie der Orden auch genannt wird, zu besuchen. Indien, Osteuropa, Korea, Afrika – überall machte sie sich ein Bild von der Situation, um als Oberste der Congregatio Jesu die richtigen Entscheidungen treffen zu können. „Ich war keine Touristin, sondern unter den Menschen“, berichtet sie. Besonders erinnert sie sich an die Frauen, für die sich der Orden einsetzt. In Indien etwa gibt es Schulen für Frauen, wo sie Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, aber auch berufliche Fertigkeiten wie Nähen oder Computerkenntnisse. Die Ordensfrau lächelt, als sie sich an ihre Besuche in Indien zurückdenkt. Die Frauen demonstrierten ihr, was sie gelernt hatten: Sie haben vorgelesen und Selbstgenähtes vorgezeigt.
Zurück in Rom wartete der Schreibtisch. „Es war eine spannende, interessante Aufgabe, die aber auch alles von mir verlangt hat“, berichtet die Oberin. Ohne ihr Team, das ihre Arbeit vorbereitete, wäre es kaum zu schaffen gewesen. Sie betont, dass das Bundesverdienstkreuz nicht ihr persönlich gebühre – auch wenn Botschafter Reinhard Schweppe bei der Verleihung der Auszeichnung ihre Vorbildhaftigkeit und Engagement betonte. Die Ordensfrau erklärt: „Ich verstehe das Bundesverdienstkreuz als Anerkennung der Arbeit, die in unserem Institut von der Zentrale aus geleistet wurde.“ Die Impulse, die vom Generalat an die Niederlassungen gingen und eine Sozialkonferenz, die erstmals 2006 in Indien gehalten wurde, hätten vieles bewirkt. Vielerorts, etwa in der Mongolei, in Korea, Rumänien und Indien sind Sozialzentren mit unterschiedlichen Schwerpunkten entstanden. Manche sind auf Jugendliche ausgerichtet, die Unterstützung brauchen, andere auf junge Mütter.

Arbeit für die Menschen

Unterwegs zu sein – das entsprach auch der Ordensgründerin Maria Ward (1585 bis 1645; nach originaler Schreibweise Mary Ward). Sie wollte nicht abgeschlossen im Kloster leben. Schon damals war sie als Frau pastoral tätig. Wichtig war für sie die Bildung junger Mädchen, so dass viele Schulgründungen auf Maria Ward zurückgehen.
Die Arbeit für die Menschen war es auch, die Mechtild Meckl als junge Frau dazu bewogen hat, sich dem Orden Maria Ward anzuschließen. Sie war von der Jugendarbeit einer Maria- Ward-Schwester in Würzburg, wo sie seit den 1950- er Jahren wohnte, beeindruckt. 1962 begann sie ihr Noviziat. Außerdem studierte Meckl und wurde Lehrerin an der Maria-Ward- Realschule. Über 20 Jahre unterrichtete sie, bevor sie zur Provinzoberin für drei Jahre gewählt wurde. Es folgten die Stelle als stellvertretende Generaloberin für neun Jahre in Rom und schließlich als Generaloberin von 2002 bis 2011. „Ich war sehr gerne Lehrerin“, erinnert sie sich. Aber als sie nach Rom kam, hätte sie gespürt, dass sie an dieser Stelle etwas bewirken könne. „Ich habe gemerkt, mein Leben wird weiter, mein Blick weitet sich“, beschreibt sie die Erfahrung. In alle Aufgaben, so sieht sie es, ist sie hineingewachsen. „Mein Leben ist ein gewachsenes Leben und dafür bin ich dankbar.“
Auch in ihren Glauben ist sie hineingewachsen. Mechtild Meckl ist 1940 in Ellbogen an der tschechischen Grenze geboren. Ihre Eltern lebten christlich, zwangen die Kinder jedoch nicht zu Gebet oder Kirchenbesuch. „Dafür bin ich ihnen sehr dankbar“, sagt sie. Das Leben der Eltern habe ihr jedoch imponiert, so dass sie gerne betete. „Die Jugendarbeit in Würzburg hat dem ganzen dann eine Richtung gegeben“, blickt sie auf den Anfang ihrer Ordenszeit zurück.

Zeit der Erfüllung

Nun, als Oberin in Augsburg, ist ihr Leben ruhiger geworden. Noch immer ist ein Gefühl von „Erfülltsein“, wie sie sagt, in ihr. „Die letzten Jahre waren eine reiche, erfüllte Zeit, in der ich mich für die Kirche verantwortlich gefühlt habe.“ Sie konnte sich besonders darüber freuen, als ihr nach und nach klar wurde, was die Maria-Ward-Schwestern leisten – gemäß dem Grundsatz, dass sich die Welt nach christlichen Maßstäben weiter entwickeln soll.
Das gilt auch für Weihnachten. Für Mechtild Meckl geht es zu diesem Fest darum, in Christus den Menschen zu begegnen, denn Christus ist Mensch geworden. Deswegen wird sie neben der liturgischen Feier Weihnachten für sich noch auf andere Weise begehen: „Ich möchte rausgehen und den Menschen begegnen“, erklärt sie. Aber natürlich gehören auch im Kloster Kerzen, ein schönes Miteinander und festliche Stimmung dazu.

Nathalie Zapf

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